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Das neue Eisenbahnunternehmen Locomore fährt zwischen dem 23. Januar und dem 6. April nur noch an vier Tagen in der Woche auf der Strecke Stuttgart – Berlin. Als Grund wird laut HNA angegeben, aufgetretene Qualitätsprobleme in dieser Zeit zu beseitigen. Das ist einerseits nicht unproblematisch für so ein junges Unternehmen. Aber die Alternative wäre meiner Meinung nach noch schlechter. Den bisherigen Verkehr aufrecht zu erhalten und die Kundschaft mit technischen Problemen zu belästigen, würde den Ruf dauerhaft beschädigen. Die versprochene Qualität selbst beim niedrigen Preis nicht halten zu können, würde Kunden vergraulen. Deshalb ist der Schritt des Unternehmens richtig. Sich die Zeit zu nehmen, Probleme beherzt anzugehen und das offen zu kommunizieren.

Am 13. Januar bin ich mit Locomore nach Hannover gefahren. Auf der Hinfahrt war alles bestens: der reservierte Platz frei, die Ankunft nach ca. 50 Minuten pünktlich. Fünf Stunden für einen Museumsbesuch (Sprengel-Museum) und einen Stadtbummel lagen vor mir. Der Fahrplan ist ideal für so einen Kurztripp in die Landeshauptstadt. Dass die Rückfahrt 35 Minuten später erfolgte als geplant, war wohl auch dem Wetter geschuldet. Kunden anderer Bahnunternehmen hatten auch Verspätungen zu erdulden. Ein Waggon war ausgefallen. Die Zugbgleiter wiesen aber auf freie Plätze hin, so dass niemand stehen musste.

Mein Fazit ist insgesamt positiv trotz der Probleme auf der Rückfahrt. Wenn im April alles wie geplant läuft, werde ich wieder fahren, wahrscheinlich schon vorher. Es gibt da ja noch das Kestner-Museum in Hannover, den Flohmarkt an der Leine und diverse Messen …

Editorial: Zuspruch

Die Zahl der Zugriffe auf diese Seite hat stark zugenommen. Mehr Leser habe ich dadurch nicht. Das zeigen die ständig herein kommenden Kommentare zu genau einem Artikel, die Spam sind: Werbung für Waren aller Art und möglicherweise auch Links zu Schadsoftware. Was tun? Ich könnte weiterhin jeden Tag etwa dreißig Kommentare löschen, bis den Absendern, die auf Server in Russland hindeuten, die Lust verlieren, weil ich keinen Kommentar frei schalte. Ich könnte aber auch die Kommentarfunktion ganz abschalten und Kommentare auf FACEBOOK entgegennehmen. Ich neige zunehmend zu Letzterem, da hier außer den Spammern bisher niemand kommentiert hat. Schaun mer mal … .

Update: 18.1.2017

Die Spamkommentare trafen hier immer nur zu einem ganz bestimmten Artikel ein. Bei diesem Artikel habe ich nun die Kommentarmöglichkeit deaktiviert. Unter allen anderen Beiträgen kann weiterhin kommentiert werden. Mal seh’n, ob’s hilft … .

Klicks und Klugheit

Auf Facebook erreicht mich der Vorschlag, meinen Intelligenzquotienten feststellen zu lassen. Auf einer verlinkten Seite sind Vorhängeschlösser in Zeilen und Spalten angeordnet. Eines davon ist offen, alle anderen sind geschlossen. Es gilt, durch Anklicken das offene Schloss zu finden. Fünf Felder mit Vorhängeschlössern werden nacheinander gezeigt, in denen das offene Schloss gefunden werden muss. Ich brauchte weniger als neunundvierzig Sekunden. Hinterher wurde mir ein IQ von 140 bescheinigt.

Man könnte sich das Ergebnis ausdrucken, sich das Blatt Papier über das Bett hängen und sich bedeutend fühlen. Die Sache hat für mich nur einen Haken. Dieses Spiel hat meiner Meinung nach nichts mit Intelligenz zu tun. Es ist einfach ein schnelles Anklicken. Und die Klicks scheinen mir das eigentliche Ziel der Veranstaltung zu sein. Deshalb habe ich mich entschlossen, den Beweis für meine angebliche Klugheit nicht zu veröffentlichen.

Literaturempfehlung zum Thema Intelligenz und zur Fragwürdigkeit des IQ: Stephen Jay Gould, Der falsch vermessene Mensch

PS

Auf Facebook berichtet jemand, das Rätsel in 3,81 Sekunden gelöst zu haben. War das geöffnete Schloss möglicherweise gekennzeichnet. Ich habe es nicht bemerkt. Oder waren es Minuten und nicht Sekunden? Der Person wird auch ein IQ von 140 bescheinigt. Es ist mysteriös …

Rat geben und nicht nehmen

Es hat einmal eine Zeit gegeben, in der ich mit Hilfe der Lektüre von Ratgeberliteratur eine Verbesserung meines Lebens erhofft habe. Der Erfolg hat sich irgendwie nicht eingestellt. Für solche Fälle immunisieren sich die Autoren dieser Bücher oft dadurch gegen Kritik, dass sie dem gescheiterten Leser schon im Voraus mangelndes Engagement bei der Umsetzung der guten Ratschläge attestieren. Das mag sein. Aber vielleicht sind die Versprechen in diesen Büchern so nicht haltbar und die Autoren sollten etwas demütiger auftreten.

Um nicht nicht missverstanden zu werden, die Ratgeberliteratur lehne ich nicht in Bausch und Bogen ab. Es gibt da einerseits die Vertreter des Positiven Denkens in der Tradition von Dale Carnegie. Die Verbesserung der eigenen Situation durch einfaches Umdenken funktioniert meiner Meinung nach meist nicht. Es ignoriert objektiv vorhandene Widrigkeiten des Lebens und macht Glück und Wohlergehen zu einer rein persönlichen Angelegenheit. Zu dem Thema hat Klaus Jarchow im Stilstand seine Gedanken aufgeschrieben. Es gibt andererseits die psychologisch und psychotherapeutisch fundierten Schriften, die hilfreich sein können. Aber auch hier sollte man kritisch sein, nicht allen Angeboten blind folgen und keine garantierten Erfolge erwarten.

Wie berichtet habe ich meinen Buchbestand gelichtet und damit auch die Sammlung der Ratgeberliteratur. Nach dem Gesagten dürfte es niemanden verwundern, dass die Schneisen in diesem Fachgebiet größer waren als anderswo. Die Besucher von karitativen Bücherflohmärkten in unserer Stadt dürfen sich jetzt auf viel guten Rat und Hilfe zum Leben freuen. Sie haben von mir reichlich Nachschub bekommen.

PS

Im eigenen Bestand findet man nach dem Aufräumen übrigens Bücher wieder, deren Fund angenehm überrascht, unter anderem einen Ratgeber, der ein Thema behandelt, das in den letzten Jahren unter dem Namen Prokrastination wieder in die Öffentlichkeit geraten ist:

Hans-Werner Rückert, Schluss mit dem ewigen Aufschieben
Wie Sie umsetzen, was Sie sich vornehmen
campus concret 1999, 274 Seiten

Der Autor, Diplom-Psychologe und Psychoanalytiker, war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Leiter der Zentraleinrichtung Studienberatung und Psychologische Betreuung der Freien Universität Berlin.

Die Tatsache, dass ich das Buch 17 jahre nach dem Kauf endlich lese, ist natürlich ein hervorragendes Beispiel zum Thema. Nach fünfzig Seiten ziehe ich bereits zwei Lehren aus der Lektüre. Erstens sollte man bei seinen Aufgaben nicht ständig gebannt auf das Ergebnis starren, sondern sich um den Weg dahin, also den Prozess des eigenen Tuns, kümmern. Zweitens sollte man vor dem Beginn einer Arbeit den vorher veranschlagten Zeitraum dafür verdoppeln.