Ein Sonntag in der Stadt

Eigentlich war ich auf der falschen Veranstaltung. Auf dem Außengelände der Lokhalle fand gestern ein Flohmarkt statt. Ich ging hin, weil ich am Sonntag etwas unternehmen wollte. Ich wollte nicht unbedingt etwas kaufen, erst einmal gucken, was es so gibt. Wie in mehreren Blogbeiträgen berichtet, bin ich zur Zeit damit beschäftigt, überflüssige Dinge auszusortieren. Mich mit neuen alten Gebrauchsgegenständen zu belasten, war gar nicht meine Absicht. Es hätte eher Sinn gemacht, mich als Händler für einen Standplatz zu bewerben.

Der Handel ist aber heutzutage nicht mehr so einfach. Das hörte ich, als ich Zeuge eines Gesprächs zwischen einem älteren Herrn, der in früheren Zeiten auf Flohmärktrn verkauft hat, und einem Standbetreiber wurde. In den Zeiten der Mark hätte man mit 300 oder 400 DM an einem Wochenende nach Hause gehen können. Das gäbe es heute nicht mehr. Schuld sei nur der Euro. Der Standbetreiber stimmte zu, dass das Geschäft heute schwieriger sei, sah den Grund dafür in der Grenzöffnung von 1989. Durch das große Angebot aus dem Osten seien die Preise gesunken. Wenn das stimmt, ist der Osten auch nach fast vierzig Jahren offenbar immer noch nicht leer gekauft.

Ich bin übrigens auch deshalb aus dem Haus gegangen, weil ich mich nicht so gut fühlte. Auf andere Gedanken zu kommen, mich durch Aktivitäten abzulenken, war mein Ziel. Das Wetter war allerdigs so, dass sich an diesem Zusatnd nicht so viel änderte. Es war zwar trocken, aber nicht sonnig. Die höhere Luftfeuchtigkeit blieb, die Müdgkeit nach einer kurzen schlaflosen Nacht auch. Mein Allgemeinzustand besserte sich erst am Abend, in der besseren Luft der höher gelegenen Wohnung, nach einem leichten Regen und nach einem guten Essen.

Mariniertes Schweinesteak, Erbsen und Möhren, Fruehkartoffeln (Drillinge)

Mariniertes Schweinestek, Erbsen & Möhren, Frühkartoffeln (Drillinge)

Waschtag

Der Freitag ist im Prinzip mein freier Tag. Doch manchmal sind da noch Dinge, die liegen geblieben sind. Vor zwei Tagen hatte sich der Koffer unter dem Bett mit der schmutzigen Wäsche der letzten Zeit gefüllt. Die Fahrt zum Waschsalon in der Innenstadt ließ sich also nicht mehr aufschieben.

Im Vorgarten des städtischen Museums gegenüber hatte ich diesmal Gesellschaft:

Hummel auf einer Bluete

Auf dem Weg zurück nach Hause in der Ewaldstraße: die Szene erinnert mich an Gemälde von Edward Hopper, einen der bekanntesten US-amerikanischen Maler des zwanzigsten Jahrhunderts. Ich könnte es als Vorlage für ein eigenes Bild nehmen und vielleicht noch eine einsame Person ins Wartehäuschen setzen …

Bushaltestelle

Aufräumarbeiten

Den Buchbestand neu zu ordnen und Bücher auszusortieren, habe ich mir schon im letzten Jahr vorgenommen. Ich bin damit ziemlich weit gekommen. In der Wohnung sind alle Bücher in den Regalen, auf den Regalbrettern in einer Reihe aufestellt und jedes einzelne Buch im Prinzip auffindbar. Nur im Keller lagerten noch einige andere Dinge, die mich daran hinderten, mich der zweiten Hälfte des Buchbestandes zuzuwenden.

Bücherregale, Leseecke

Am letzten Freitag habe ich diese anderen Dinge weitgehend entfernt. Ich füllte Koffer und Rucksack und zog zum Recyclinghof der Stadt. Die Halle für den Tausch gebrauchter Waren war leider schon geschlossen. Da ich die Dinge nicht wieder zurück schleppen wollte, ließ ich alles in den Containern für Elektrogeräte, Metalle und Spermüll.

Zu Hause stellte ich dann noch einige Gegenstände an die Straße, die bereits am nächsten Tag neue Besitzer gefunden hatten. Ein Sack Kleidung warf ich in den Container vor dem Haus. Ein Spaten und ein Beistelltisch sind die letzten Gegenstände, die noch raus müssen. Den Spaten bekommt ein Hobbygärtner, den Tisch der Verein. Damit ist alle überflüssig Gewordene aus dem Haus.

Wie geht es weiter?

Der Weg zu den Büchern in Keller ist jetzt frei. In 26 halbdursichtigen Kunststoffbehältern, verteilt auf zwei Werkstattregale, werde ich den größten Teil des Bestandes einlagern. Bücher, die übrig bleiben, stifte ich karitativen Einrichtungen in der Stadt.

Ruhend

In den letzten Monaten habe ich so gut wie gar nicht gemalt und gezeichnet. Was waren die Gründe? Verpflichtungen außerhalb, die körperliche Konstitution und zu hohe Anforderungen an das eigene Können fallen mir spontan ein. Aber das sind nur Ausreden. Es fehlte einfach die Motivation. Ich sollte wieder anfangen …

Landschaft in Gruentönen, Acryl

Landschaft in grün, Acryl, 2015

Seblbstportrait, Gesicht, Bleistiftzeichnung

Selbstportrait, Bleistiftzeichnung, 2015

Im Garten des Museums

Rosenbluete, rosa

Meine Wäsche wasche ich in der Innenstadt. Im Waschsalon. Gegenüber auf der anderen Straßenseitebe befindet sich das städtische Museum mit seinem gut gepflegten Vorgarten. Dort verbringe ich die Zeit, wenn die Waschmaschine oder der Trockner rotieren, und photographiere die Pracht, die die Gärtner der Stadt auf der kleinen Fläche hervorzaubern. Das Bild oben entstand am 30. September 2016.

Da ich zur Zeit nicht in der allerbesten Verfassung bin, erlaube ich mir, mit dem Bild auch meine Stimmung aufzuhellen. La vie en rose …

Persönliche Archäologie

Die Wurzel eines Baumes.

Manchmal verschwindet ein eigener Text. Man war zu nachlässig bei der Datensicherung. Die Festplatte gibt ihre Geist auf. Den Text, den man mit Absicht gelöscht hat, vermisst man auf einmal schmerzlich. Aber es gibt eine Hilfe, zumindest die eigenen „Werke“, die man mal im Internet veröfentlicht hat, wieder zu bekommen. Schon zum zweiten Mal habe ich eine verloren gegangene Kurzgeschichte, die ich 2009 geschrieben habe, mit Hilfe der Wayback Machine aus dem Internet Archive heraus geholt. In den Turbulenzen der letzten Zeit, meine Blog betreffend, war die Geschichte erneut verloren gegangen. Die Lehre daraus: ich sollte mich wirklich mehr mit Datensicherung beschäftigen …

Die Kurzgeschichte Vier Todesfälle und eine Abmahnung erreichen Sie übrigens über einen Eintrag am Ende der Seitenleiste.

Rückzugsort

Leseecke in meiner Wohnung

Eine Wohnung mit einem Zimmer bietet in der Regel nur begrenzte Möglichkeiten der Raumgestaltung. Das hinderte mich aber nicht daran, eine Leseecke einzurichten: an drei Seiten von Bücherregalen umgeben, eine Stehlampe und ein bequemer Sessel. Was will man mehr? Hier sitze ich meist abends, greife nach dem Zufallsprinzip in den Buchbestand und lese in vier bis fünf Büchern. Besonders geeignet sind die Bücher von Max Goldt, Essaysammlungen und Gedichte, also die eher kurzen Texte. Aber ich lese auch in längeren Werken, deren Lektüre ich mir für die nächste Zeit vornehme. So behält man nebenbei den Überblick über den eigenen Bestand.

Schönheit und Gefahr

Kann der Besuch eines Frisiersalons tödlich sein? Im Prinzip ja. Genauso wie der Theaterbesuch, der Arbeitsplatz und das eigene Bett. Besonders in Letzterem sterben besonders viele Menschen. Das Thema schafft es aber seltsamerweise kaum in die Medien. In den Vereinigten Staaten ist eine vermeintliche Todesgefahr beim Friseur Thema diverser Zeitungen und Webseiten: das beauty parlor stroke syndrome. Auf deutsch: das Syndrom des Schlaganfalls im Schönheitssalon beziehungsweise Frisiersalon. Es geht dabei um das Waschen der Haare in speziellen Waschbecken. Diese haben bekanntlich eine Ausbuchtung, in die die Kundin oder der Kunde den Hals legen. So können die Haare bequem gewaschen werden, ohne dass jemand nass gespritzt wird. Es ist nun das Gerücht aufgekommen, dass durch den auf dem Beckenrand liegenden Hals unter Umständen die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen werde und es zu Schlaganfallsymptomen kommen könne. In der Zeitschrift The Atlantic ist die Autorin Katie Heany der Frage nachgegangen, ob diese Gefahr tatsächlich existiert. Während die Quellenlage in den ursprünglichen Meldungen zuweilen fragwürdig war (eine Autorin hatte Freundinnen gebeten, ihre Friseurin zu befragen), fragte Katie Heany einen leitenden Facharzt aus Chicago. Das Phänomen ist nach seiner Aussage extrem unwahrscheinlich und könne auch durch falsches Aufstehen am Morgen oder Niesen verursacht werden. Man könne sowieso nichts dagegen tun.

Das Problem kann man also vergessen. Die Haare beim Friseur waschen zu lassen, ist ungefährlich. Die Geschichte gehört damit ins Reich der urban legends, der Schauergeschichten, die ständig im Umlauf sind. Professor Brednich1, übernehmen Sie.

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1 Rolf Wilhelm Brednich: Die Spinne in der Yucca-Palme. Sagenhafte Geschichten von heute. München 1990