Ermüdung und trotzdem …

Am Dienstag Abend war da dieses schmerzhafte Ziehen im linken Oberschenkel. Sollte ich mich krank zu melden? Denn ohne einen stechende Schmerz bei jedem Schritt konnte ich nicht laufen. Ich entschied mich abzuwarten. Ich wollte eine Nacht darüber schlafen und sehen, wie es mir am Morgen danach ginge.

Der Schmerz ließ tatsächlich nach und verschwand weitgehend im Laufe des Tages. Mit der Einteilung der Arbeit in vier Abschnitte und großzügig bemessenen Pausen dazwischen war die waren die gut drei Stunden Nettolaufzeit, in denen ich durch mein Wohnviertel laufe, im vorgegebenen zeitlichen Rahmen zu bewältigen.

Der Dienstag war schon vorher ein Schwieriger gewesen. Schlaflosigkeit und daraus sich ergebende Müdigkeit hatten mich bewogen, nicht nach Kassel zur documenta zu fahren. Den Termin werde ich nachholen. Noch ist ja Zeit dafür.

Was war das jetzt? Schlaflosigkeit und Muskelschmerzen – irgendwie scheint das zusammen zu hängen. Wo das Problem liegt, weiß ich mit einiger Sicherheit. Gegenmaßnahmen sind eingeleitet. Es dauert alles etwas länger beim Kassenpatienten. Spätestens im Oktober oder November werden die Probleme mit dem Schlaf gelöst sein. Dann sollte es mir wieder gut gehen.

Bis dahin helfen auch Selbstbelohnungen, zum Beispiel gutes Essen. Ich kochte am späten Abend das während des Tages ausgefallene Mittagessen: eine Vorsuppe aus passierten Tomaten und ein Steak mit Reis. Die Mengen waren zu vorgerückter Stunde eher klein. Ich wollte schließlich nicht mit schwerem Magen zu Bett gehen und erneut schlecht schlafen …

(Bilder vom Essen folgen demnächst.)

Deutsche Zustände

Der Autor Tuvia Tenenbom begab sich vor einiger Zeit auf eine Reise durch Deutschland und sprach mit Geflüchteten, einheimischen Bürgern und Politikern. Allein unter Flüchtlingen ist die Reportage über diese Begegnungen. Der Verlag nennt das Buch umstritten. Gründe für diese Charakterisierung finden sich bald, hat man angefangen zu lesen. So lässt die Schilderung der Situation in einigen Flüchtlingsunterkünften Zweifel aufkommen am Erfolg der Flüchtlingspolitik. Außerdem scheint Tenenboms Arbeitsweise bei Interviews gerade auch mit Exponenten der rechten Szene nicht jedem zu gefallen.

Buch, Smartphone

Es gelang dem Autor, in größere Sammelunterkünfte vorzudringen, in die sonst kaum ein Journalist gelangt. Tenenbom, der gut arabisch spricht, kam mit den Flüchtlingen leicht ins Gespräch und als deren vermeintlicher Verwandter immer wieder an den Sicherheitsleuten der Unterkünfte vorbei. So konnte er wenigstens für eine kurze Zeit einen Eindruck von den Zuständen gewinnen. Und diese Zustände waren oft nicht gut. Da gibt es Unterkünfte in großen Hallen. Mit Stellwänden werden Wohnbereiche für bis zu zwölf Personen abgeteilt. Es gibt es keine Decke über dem Raum und keine Türen. Tenenbom sah verdreckte und kaputte Toilettenanlagen. Die Bewohner berichteten von schlechtem Essen. Lärm, Gestank und die fehlende Privatsphäre sind die Kennzeichen dieser Unterkünfte. „Wir schaffen das“ ist da noch keine Realität sondern weiterhin die Aufgabe.

Etwas befremdlich schienen auf einige Leute die Interviews mit Vertretern der rechten Szene zu wirken, etwa mit Götz Kubitschek, Frauke Petry oder Akif Pirinçci. Aber Tenenbom sieht sich als Reporter, der Fragen stellt und nicht eine bestimmte Haltung predigt, auch wenn er persönlich anderer Meinung ist als sein Gegenüber. Das ist eine professionelle Einstellung. Die wertende Auseinandersetzung mit den Vorstellungen ist auch ein interessantes Thema, aber Stoff für ein anderes Buch. Im Übrigen sorgen die Interviewpartner zum Teil schon selbst dafür, dass sie unvorteilhaft auftreten.

In der Kulturzeit von 3sat begründet Tuvia Tenenbom seine Arbeitsweise.

Mein Fazit: Sehr lesenswert
Der Journalist aus New York öffnet uns die Augen für Realitäten, die wir sonst weniger zur Kenntnis nehmen. Ein Buch, das klüger macht.
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Das Buch:

Tuvia Tenenbom: Allein unter Flüchtlingen
Fotos, Organisation, Beratung: Isi Tenenbom
Aus dem amerikanischen Englisch
von Michael Adrian und Bettina Engels
suhrkamp nova
Suhrkamp Verlag Berlin 2017, 235 Seiten
(aus der Stadtbibliothek)

(Hinweis: Der Text wurde nach Erstveröffentlichung leicht überarbeitet.)

Schall und Rauch

Wir sind noch einmal davon gekommen. Göttingen bleibt Göttingen. Der Rat hat den Antrag der Partei Die Partei, die Stadt in Martin-Sonneborn-Stadt umzubenennen, nicht mal debattiert. Man stelle sich vor, der neue Name wäre sogar beschlossen worden. Ich glaube, ich würde umziehen in eine Stadt mit einem kurzen knackigen Namen, etwa Bebra, Bottrop oder Bielefeld. In Chemnitz haben sie den ungeliebten Namen der Stadt auch geändert, als sie es konnten. Das hätte eine Mahnung sein können.

Aber es war nicht alles schlecht bei dieser Aktion. Die Idee, Geldscheine unters Volk zu werfen, hat ihren Reiz.

Quelle:
Ratsantrag der Partei zur Namensänderung abgeblockt: Göttingen bleibt Göttingen, HNA vom 18.8.2017, Autor: Clemens Herwig

Atempause

Die letzten Wochen waren durchwachsen. Eine gewisse Mattigkeit lag über Allem wie ein grauer Schleier. Das Wetter wechselte ständig. Die Arbeit im Freien wurde dadurch nicht leichter. Ich weiß ziemlich genau, woran es liegt und habe bereits Gegenmaßnahmen ergriffen. Ein Arzttermin ist vereinbart zwecks weiterer Behandlung. Auch in der privaten Lebensführung habe ich Änderungen vorgenommen. Hier haben sich wieder Nachlässigkeiten eingeschlichen, die ich gerade korrigiere. Dann sollte irgendwann im Herbst alles wieder im Lot sein.

PS

Viel geschrieben habe ich in meinem Zustand nicht in der letzten Zeit. Das werde ich ändern. Ich werde mich zunächst mit eher kurzen Beiträgen wieder an die frühere Produktivität heranarbeiten. Fürs Erste habe ich die alte graphische Gestaltung des Blogs reaktiviert: das Theme Catch Box.

Ein Sonntag in der Stadt

Eigentlich war ich auf der falschen Veranstaltung. Auf dem Außengelände der Lokhalle fand gestern ein Flohmarkt statt. Ich ging hin, weil ich am Sonntag etwas unternehmen wollte. Ich wollte nicht unbedingt etwas kaufen, erst einmal gucken, was es so gibt. Wie in mehreren Blogbeiträgen berichtet, bin ich zur Zeit damit beschäftigt, überflüssige Dinge auszusortieren. Mich mit neuen alten Gebrauchsgegenständen zu belasten, war gar nicht meine Absicht. Es hätte eher Sinn gemacht, mich als Händler für einen Standplatz zu bewerben.

Der Handel ist aber heutzutage nicht mehr so einfach. Das hörte ich, als ich Zeuge eines Gesprächs zwischen einem älteren Herrn, der in früheren Zeiten auf Flohmärktrn verkauft hat, und einem Standbetreiber wurde. In den Zeiten der Mark hätte man mit 300 oder 400 DM an einem Wochenende nach Hause gehen können. Das gäbe es heute nicht mehr. Schuld sei nur der Euro. Der Standbetreiber stimmte zu, dass das Geschäft heute schwieriger sei, sah den Grund dafür in der Grenzöffnung von 1989. Durch das große Angebot aus dem Osten seien die Preise gesunken. Wenn das stimmt, ist der Osten auch nach fast 28 Jahren offenbar immer noch nicht leer gekauft.

Ich bin übrigens auch deshalb aus dem Haus gegangen, weil ich mich nicht so gut fühlte. Auf andere Gedanken zu kommen, mich durch Aktivitäten abzulenken, war mein Ziel. Das Wetter war allerdigs so, dass sich an diesem Zusatnd nicht so viel änderte. Es war zwar trocken, aber nicht sonnig. Die höhere Luftfeuchtigkeit blieb, die Müdgkeit nach einer kurzen schlaflosen Nacht auch. Mein Allgemeinzustand besserte sich erst am Abend, in der besseren Luft der höher gelegenen Wohnung, nach einem leichten Regen und nach einem guten Essen.

Mariniertes Schweinesteak, Erbsen und Möhren, Fruehkartoffeln (Drillinge)
Mariniertes Schweinestek, Erbsen & Möhren, Frühkartoffeln (Drillinge)

Waschtag

Der Freitag ist im Prinzip mein freier Tag. Doch manchmal sind da noch Dinge, die liegen geblieben sind. Vor zwei Tagen hatte sich der Koffer unter dem Bett mit der schmutzigen Wäsche der letzten Zeit gefüllt. Die Fahrt zum Waschsalon in der Innenstadt ließ sich also nicht mehr aufschieben.

Im Vorgarten des städtischen Museums gegenüber hatte ich diesmal Gesellschaft:

Hummel auf einer Bluete

Auf dem Weg zurück nach Hause in der Ewaldstraße: die Szene erinnert mich an Gemälde von Edward Hopper, einen der bekanntesten US-amerikanischen Maler des zwanzigsten Jahrhunderts. Ich könnte es als Vorlage für ein eigenes Bild nehmen und vielleicht noch eine einsame Person ins Wartehäuschen setzen …

Bushaltestelle

Aufräumarbeiten

Den Buchbestand neu zu ordnen und Bücher auszusortieren, habe ich mir schon im letzten Jahr vorgenommen. Ich bin damit ziemlich weit gekommen. In der Wohnung sind alle Bücher in den Regalen, auf den Regalbrettern in einer Reihe aufestellt und jedes einzelne Buch im Prinzip auffindbar. Nur im Keller lagerten noch einige andere Dinge, die mich daran hinderten, mich der zweiten Hälfte des Buchbestandes zuzuwenden.

Bücherregale, Leseecke

Am letzten Freitag habe ich diese anderen Dinge weitgehend entfernt. Ich füllte Koffer und Rucksack und zog zum Recyclinghof der Stadt. Die Halle für den Tausch gebrauchter Waren war leider schon geschlossen. Da ich die Dinge nicht wieder zurück schleppen wollte, ließ ich alles in den Containern für Elektrogeräte, Metalle und Spermüll.

Zu Hause stellte ich dann noch einige Gegenstände an die Straße, die bereits am nächsten Tag neue Besitzer gefunden hatten. Ein Sack Kleidung warf ich in den Container vor dem Haus. Ein Spaten und ein Beistelltisch sind die letzten Gegenstände, die noch raus müssen. Den Spaten bekommt ein Hobbygärtner, den Tisch der Verein. Damit ist alle überflüssig Gewordene aus dem Haus.

Wie geht es weiter?

Der Weg zu den Büchern in Keller ist jetzt frei. In 26 halbdursichtigen Kunststoffbehältern, verteilt auf zwei Werkstattregale, werde ich den größten Teil des Bestandes einlagern. Bücher, die übrig bleiben, stifte ich karitativen Einrichtungen in der Stadt.

Ruhend

In den letzten Monaten habe ich so gut wie gar nicht gemalt und gezeichnet. Was waren die Gründe? Verpflichtungen außerhalb, die körperliche Konstitution und zu hohe Anforderungen an das eigene Können fallen mir spontan ein. Aber das sind nur Ausreden. Es fehlte einfach die Motivation. Ich sollte wieder anfangen …

Landschaft in Gruentönen, Acryl
Landschaft in grün, Acryl, 2015
Seblbstportrait, Gesicht, Bleistiftzeichnung
Selbstportrait, Bleistiftzeichnung, 2015

Im Garten des Museums

Rosenbluete, rosa

Meine Wäsche wasche ich in der Innenstadt. Im Waschsalon. Gegenüber auf der anderen Straßenseitebe befindet sich das städtische Museum mit seinem gut gepflegten Vorgarten. Dort verbringe ich die Zeit, wenn die Waschmaschine oder der Trockner rotieren, und photographiere die Pracht, die die Gärtner der Stadt auf der kleinen Fläche hervorzaubern. Das Bild oben entstand am 30. September 2016.

Da ich zur Zeit nicht in der allerbesten Verfassung bin, erlaube ich mir, mit dem Bild auch meine Stimmung aufzuhellen. La vie en rose …